Tagung, 20. - 21.05.2021

Interdisziplinäre Online-Fachtagung mit Diskussion zum Thema „Der Lastenausgleich im Spiegel der deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Neue Perspektiven und Ansätze für die Forschung“

Die Veranstaltung wird online stattfinden und auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung gestreamt.

Altes Städtisches Krankenhaus Bayreuth, Sitz des Lastenausgleichsarchivs - Foto: Wikipedia/Roehrensee/gemeinfrei
Altes Städtisches Krankenhaus Bayreuth, Sitz des Lastenausgleichsarchivs – Foto: Wikipedia/Roehrensee/gemeinfrei

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs stellten die junge Bundesrepublik vor gewaltige sozialpolitische Herausforderungen. Millionen von Ausgebombten, Flüchtlingen, Vertriebenen, Kriegsopfern und -ver­sehrten, Witwen und Waisen mussten versorgt werden. Das „Gesetz über den Lastenausgleich“ (Lastenausgleichsgesetz – LAG) vom 14. August 1952 sollte die Not der Menschen lindern, vor allem die der Heimatvertriebenen. Es sah Entschädigungen und Eingliederungshilfen für sie vor, während es Vermögensbesitzer zu Abgaben verpflichtete. Das LAG leistete einen wichtigen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen und gilt bis heute als eine der größten Umverteilungsmaßnahmen in der Bundesrepublik.

Mit der Veranstaltung verfolgt die Kulturstiftung zwei wichtige Ziele. Zum einen will sie Wissen­schaftlern und Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit geben, ihre Forschungsergebnisse zur Integration von Flüchtlingen, Vertriebenen sowie (Spät-)Aussiedlern vorzustellen und dabei unter besonderer Berücksichtigung des Lastenausgleichs diskutieren, wie sich die deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt hat. Am ersten Tagungstag sind hierzu eine Keynote, drei Vorträge und eine Podiumsdiskussion geplant. Der Blick richtet sich dabei auf die Integration der Vertriebenen in der BRD und der DDR sowie der russlanddeutschen (Spät-)Aussiedler im wieder­vereinigten Deutschland. Dem schließt sich eine Podiumsdiskussion zum historischen Erbe des Lasten­ausgleichs an, auf der folgende Fragen diskutiert werden sollen: Welche Rolle spielte das LAG in Bezug auf die Entschädigung und Eingliederung der Vertriebenen in der BRD? Hat es tatsächlich Vermögen umgeschichtet und Sozialstrukturen verändert oder war es in erster Linie eine psychologische Maßnahme, die der sozialen Befriedung und Stabilität diente? Welche Konflikte gingen mit dem LAG einher? Gab es regionale Unterschiede hinsichtlich der wirtschaftlichen Integration der Vertriebenen? Falls ja, welche Ursachen lassen sich hierfür erkennen? Welche Maßnahmen zur Integration der Vertriebenen hat die DDR ergriffen? Welche Konsequenzen aus den Erfahrungen mit dem LAG wurden im wiedervereinigten Deutschland gezogen?

Zum anderen will die Kulturstiftung mit der Veranstaltung auf die Bestände des Bundesarchivs – Lastenausgleichs­archiv in Bayreuth aufmerksam machen. Am zweiten Tag wird daher zunächst das Archiv mittels eines Kurzvortrags, der Einblicke in Geschichte und Bestände gibt, vorgestellt. Im Anschluss halten Wissenschaftler statementartige Kurzvorträge, die neue Perspektiven und Ansätze für die Forschung, vor allem auf den Gebieten der Regional-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, der Holocaust- und Arisierungsforschung sowie der Landes- und Mikro­geschichte, ausloten sollen. Abschließend findet hierzu eine Podiumsdiskussion statt, um gemeinsam zu eruieren, welche Potenziale das Bundesarchiv – Lastenaus­gleichs­archiv für die künftige Forschung bereithalten könnte.

Das vollständige Programm zum Download finden Sie in Kürze hier.

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