Biographie

Bassewitz, Henning Friedrich Graf von

Beruf: Diplomat, Politiker
* 17. November 1680 in Dalwitz/Mecklenburg
† 1. Januar 1749 in Dobbertin/Mecklenburg

Henning Friedrich von Bassewitz wurde als Sohn eines Gutsbesitzers und Landrates auf dem Gut Dalwitz im nordöstlichen Mecklenburg geboren. Die Bassewitz waren in Mecklenburgeine der alteingesessenen, ritterschaftlichen Familien. Als Landrat beiden Seiten verpflichtet, sowohl der Ritterschaft als auch dem Landesherrn, versuchte Philip Cuno von Bassewitz, der Vater Henning Friedrichs, zwischen diesen Parteien zu vermitteln, die Streitigkeiten zwischen ihnen zu schlichten, als, um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, der mecklenburgische Herzog mit aller Gewalt versuchte, die ständischen Privilegien zu beschneiden. Philip Cuno von Bassewitz folgte dem Grundsatz: “Ein Edelmann muß treu und artig dem Fürsten dienen, doch sein Vaterland und sich nie unterdrücken lassen.”

Henning Friedrich von Bassewitz hat stets betont, daß er sich dieser Maxime seines Vaters angeschlossen habe. Im Jahre 1703 war er zunächst als Kammerjunker in die Dienste seines Landesherrn, Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, getreten, da dieser seinem Vater erklärt hatte, er könne den Sohn eines seiner verdientesten Vasallen nicht einem fremden Herrn überlassen. Nicht zu vergessen ist, daß damals turbulente Zeiten herrschten. Der Nordische Krieg (1700–1721) bestimmte den Ostseeraum.

Im Jahre 1710 verließ Bassewitz den mecklenburgischen Dienst und ging nach Holstein. Gerade in jenem Jahr spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen dem mecklenburgischen Herzog und der Ritterschaft zu, so daß es naheliegt anzunehmen, daß Bassewitz aus diesen Gründen den mecklenburgischen Hof verließ. Denn als Ständevertreter befand er sich in einer Doppelrolle, die zu starken Interessenkollisionen führen mußte.

Im übrigen hatte Henning Friedrich von Bassewitz im Jahre 1703 geheiratet. Der 22jährige schrieb im Jahre 1702 an seinen Vater: “Ich laß mir alles gefallen, muß aber gestehen, daß oft diverse Gedanken führe, in dem fast die edle Freiheit gar zu zeitig und zu wohlfeil verliere, ist es aber von Gott ausersehen, und meiner Eltern Will, so zweifle nicht, es werde ein erwünschtes Ende nehmen. Doch wollte wohl nicht gern den Dienst ganz quittieren, sondern meine die Gage so jetzso habe zu behalten, und dann nur auf Verlangen meine Cour zumachen, damit ich doch dermal einst zu großer Honneur gelange.”

Bassewitz’ Frau war Anna Maria von Clausenheim, Tochter eines Ende des 17. Jahrhunderts nobilitierten holsteinischen Etatsrats und Domherrn zu Hamburg, Clausen, dessen Bruder und dessen Neffe im Dienste des späteren Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf standen. Bassewitz bemerkte selbstironisch, bringe seine Frau auch wenig Ahnen, so bringe sie dafür ein nicht unbeträchtliches Kapital mit in die Ehe. Ahnen habe er selbst genug. Bassewitz war im übrigen im weiteren Leben des Lobes voll für seine Frau. Aus der Ehe gingen elf Kinder hervor. Als Bassewitz für sich und seine Nachkommen im Jahre 1726 in den Grafenstand des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation erhoben wurde, erfuhr das ursprüngliche Bassewitzsche Wappen des aufrecht stehenden Keilers eine Erweiterung um den Clausenheimschen Palmenbaum und die estländischen und livländischen Landesembleme, da Bassewitz in Estland und Livland Güterbesitzerworben und von der Zarin Katharina I. verliehen bekommen hatte.

Im Jahre 1710 wurde Henning Friedrich von Bassewitz bereits Landrat und Amtmann von Husum und Schwabstedt, herzoglich holsteinischer Ämter. Die Amtmannstelle bedeutete für Bassewitz neben einer großen Befugnis auf rechtlichem und verwaltungstechnischem Gebiet auch und vor allem eine finanzielle Einnahmequelle. So war es nicht verwunderlich, daß Bassewitz mit seinem Vorgänger, dem Etatsrat von Baner, ein Abkommen geschlossen hatte, wonach dieser ihm die genannten Ämter gegen einen Vorschuß von 5000 Talern und Zahlung noch weiterer 8000 mit höherer Genehmigung, d.h. der des Herzogs, abtrat.

Bassewitz hatte aber Gutsbesitz in Mecklenburg. Diese Güter wurden seit 1710 von seinem Bruder Joachim Otto von Bassewitz übernommen. Dieser ordnete sich den Plänen des Bruders völlig unter und wirkte auch als Landwirt. In zahlreichen Briefen haben die Brüder über landwirtschaftliche Fragen korrespondiert. Im Jahre 1714 mußte Henning Friedrich von Bassewitz für kurze Zeit ein zweites Mal den Dienst quittieren – nachdem er bereits infolge der Ausführung eines diplomatischen Auftrages in St. Petersburg schon einmal seinen Posten verlassen hatte –, da er einen großen Konkurrenten in dem Hessen und damaligen holsteinischen Premierminister Georg Heinrich Freiherr von Schlitz, genannt von Goertz, hatte. Dieser war beim Vormund des jungen Fürsten, dem Fürstbischof Christian August von Lübeck, dem Administrator der herzoglichen Lande, in Diensten. Doch schließlich gelangte Bassewitz wieder an die Macht, nachdem Goertz durch seine gewaltsame Politik gescheitert und im Jahre 1718 in Schweden hingerichtet worden war. Bassewitz trat also wieder in holsteinische Dienste und wurde nun engster Berater und Mitarbeiter des holsteinischen Herzogs Karl Friedrich (1700–1739), dessen Sohn Karl Peter Ulrich sowohl Thronprätendent der schwedischen als auch der russischen Krone werden sollte. Bassewitz hat von 1718 bis 1733 in holsteinischem Dienste gestanden und die holsteinische Politik maßgeblich gestaltet. Doch nebenbei hat er in jener Zeit durch seinen Bruder immer wieder versucht, in Mecklenburg, im alten “Bassewitzdistrikt” südlich von Gnoien, Güter zu erwerben. Wie bereits bemerkt, hatte er auch in Livland und Estland Güter erworben, die als russische Ostseeprovinzen mit deutscher Verwaltungssprache seit 1721 zum Russischen Reich gehörten. Bassewitz wurde in die estländische Ritterschaft aufgenommen. Er selbst hat sich mit seinem Herzog, der 1725 die Tochter des russischen Zaren Peter des Großen, Anna Petrovna, heiratete, sieben Jahre im Russischen Reich aufgehalten, und es ist auf ihn zurückzuführen, daß dynastische Beziehungen zwischen dem Haus Schleswig-Holstein-Gottorf und Romanov angebahnt wurden. Nach dem Tode Peters des Großen 1725 haben Herzog Karl Friedrich und Bassewitz unter der Zarin Katharina I. sehr großen politischen Einfluß gehabt, was auch dazu geführt hat, daß sie 1727 nach deren Tod das Russische Reich verlassen mußten.

Die Bedeutung von Bassewitz für den Verlauf der Geschichte des Herzogtums Holstein-Gottorf liegt damit vor allem auf auswärtigem Gebiet. Das kleine Herzogtum geriet damals in die Strudel der großen Politik, in die Auseinandersetzungen der Ostseeländer Dänemark, Schweden und Rußland hinein. Die politischen Ansprüche des Holsteiner Herzogs gegenüber Dänemark sollten mit Hilfe Schwedens und Rußlands erfüllt werden. Im Ergebnis wurde der Sohn des Herzogs Karl Friedrich, Peter, im Jahre 1742 russischer Thronerbe und russischer Großfürst – und schließlich, bereits nach dem Tode von Bassewitz, im Jahre 1761 russischer Zar. Das herzogliche Haus Schleswig-Holstein-Gottorf war auf den russischen Thron gelangt und blieb dort bis 1917.

Bassewitz hatte die letzten 15 Jahre seines Lebens wieder in Mecklenburg, auf dem Hauptgut Prebberede, gelebt. Als Landespolitiker und als Klosterhauptmann von Dobbertin war er bis zum Ende seines Lebens für das Wohl des Landes tätig gewesen.

Lit.: Peter Friedrich Arpe: Das verwirrte Cimbrien, in der merkwürdigen Lebensbeschreibung Herrn H. F. Grafen von Bassewitz. Kiel 1771. – Aus dem Leben des Reichsgrafen Henning Friedrich von Bassewitz mit einigen Nachrichten über die Familie Bassewitz Wendischer Linie. Hrsg. Adolph Graf von Bassewitz. o.O. 1858. – Julius von Maltzan: Einige gute Mecklenburgische Männer. Wismar 1882. – Robert Pries: Das Geheime Regierungs-Conseil in Holstein-Gottorf 1716-1773. Neumünster 1955. – Hubertus Neuschäffer: Die Doppelrolle des Adels als Gutsbesitzer und Staatsdiener. In: Staatsdienst und Menschlichkeit. Hrsg. C. Degn, D. Lohmeier. Neumünster 1980, S. 103-127. – Ders.: Artikel über HFB in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon. Bd. 5. Neumünster 1979. – Ders.: Henning Friedrich Graf von Bassewitz (1680-1749). Zur Rußlandpolitik eines schleswig-holsteinischen Premierministers. In: Schleswig-Holstein. 2/78, S. 7-10. Husum 1987. – Svetlana Dolgova, Marina Osekina: Henning Friedrich Graf von Bassewitz. In: Die Gottorfer auf dem Weg zum Zarenthron. Hrsg. M. Lukitschev, R. Witt. S. 21-26.Schleswig 1997. – Hubertus Neuschäffer: Der Mecklenburger Henning Friedrich Graf von Bassewitz 1680-1749. Schwerin 1998.

Bilder: Kupferstich 18. Jhdt. (im Besitz des Verf., hier abgebildet); Ölgemälde (unbekannter Meister) im Bildarchiv des Schlosses Gripsholm/ Schweden; Ölgemälde (unbekannter Meister) im Bildarchiv des Schlosses Hesselby in Schweden.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Henning_Friedrich_von_Bassewitz

Hubertus Neuschäffer