Biographie

Engelsberg, E. S. (Schön, Eduard)

Herkunft: Sudeten (Böhmen u. Mähren, österr. Schlesien)
Beruf: Komponist
* 23. Januar 1825 in Engelsberg, Freudenthal/Ostsudetenland
† 27. Mai 1879 in Deutsch Jaßnik/Neutitschein

Talent arbeitet, Genie schafft; diese wohl kürzeste und doch so treffliche Abgrenzung gelang Robert Schumann, dem Meister der Kleinkunst unter den Komponisten. Darauf bezieht sich Alexander Hausleithner, Mitglied des musikhistorischen Instituts der Universität Wien, in der gemeinsam mit Hugo Neußer, Troppau, verfaßten Monographie E.S. Engelsberg, Leben und Werk (1925), wenn er urteilt: „Das Genie dringt in neuen Bahnen vor…, schafft dauernde Werte, deren volle Würdigung oft erst einer späteren Generation vorbehalten ist. So auch bei Engelsberg. Auch er hat nicht ‚gearbeitet‘, sondern ‚geschaffen‘, indem er teils dem Männergesange neue Wege wies, teils das Chorlied mit neuem Inhalte erfüllte.“ Und doch wurde E.S. Engelsberg als einer der Stillen im Reich der Musik trotz seiner 300 registrierten Werke ziemlich vergessen, wenn auch zu Unrecht.

Geboren als Eduard Schön, Sohn des Webermeisters Anton Schön und dessen Ehefrau Theresia geb. Schleser, in dem Städtchen Engelsberg, ging er in die Musikgeschichte ein unter seinem Pseudonym E.S. Engelsberg, nachdem er den Initialen seines Namens zum Zeichen seiner Heimatverbundenheit den Namen seines Geburtsortes hinzugefügt hatte. Seine Kindheit verlebte er in seiner Vaterstadt, und in Olmütz besuchte er das Gymnasium; dort entstanden seine ersten musikalischen sowie poetischen Schöpfungen. 1846 nahm er in Wien ein Hochschulstudium auf, das er 1850 mit der Promotion zum Dr. jur. beendete. Das Revolutionsjahr 1848 sah ihn im geistigen Bunde mit den Barrikadenkämpfern. Damals entstand – nach einem Text seines Olmützer Freundes Ignaz Machanek – das Deutsche Freiheitslied (später vom Wiener Akademischen Gesangverein zum Bundeslied erkoren). 1851 nahm Schön eine Stelle im Finanzministerium an, und 1860 wurde er zum Generalsekretär der Börsenkammer ernannt, nachdem er diese Position bereits seit 1856 provisorisch bekleidet hatte. 1858 heiratete Schön die Wienerin Betty Held, doch sie starb 1866 an Typhus. Der Ehemann hat den Verlust seiner innig geliebten Frau, der Künstler den Verlust seiner Muse nie ganz verwunden.

Zum Ende der fünfziger Jahre erreichte E.S. Engelsberg, wie er im künstlerischen Bereich ausschließlich hieß, den Höhepunkt seiner Karriere. Er übernahm die Leitung der Gesellschaft der Musikfreunde, die in der Folgezeit eine architektonische Meisterleistung vollbrachte: die Errichtung des Musikvereinsgebäudes, in dem schon seit Jahrzehnten die berühmten Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker stattfinden – als Eurovisionssendung in alle Welt übertragen.

Ab 1862 nahmen der Akademische Gesangverein und der Wiener Männergesangverein die Werke Engelsbergs in ihr Repertoire auf, und der Komponist durfte sich beispielloser Erfolge erfreuen. Dabei standen im Vordergrund seines Schaffens und der öffentlichen Darbietungen seine Chöre und seine Lieder (mit zahlreichen Vertonungen auch von Texten der großen deutschen Lyriker).

Beruflich nicht minder erfolgreich – zuletzt als Sektionschef und Hofrat –, mußte Engelsberg allerdings krankheitshalber vorzeitig in den Ruhestand treten. In der Hoffnung auf Besserung eines Augen- und eines Magenleidens besuchte er zu einem längeren Aufenthalt seinen Vetter, den fürsterzbischöflichen Konsistorialrat Adalbert Riedel in Deutsch Jaßnik in Nordmähren, wo Engelsberg völlig unerwartet starb. Seine sterbliche Hülle wurde nach Wien überführt und auf dem Grinzinger Friedhof beigesetzt, wo das Ehrengrab nach wie vor gepflegt wird. Außer der Grabstätte hat sich auch das Geburtshaus in Engelsberg erhalten. In der Wiener Herrengasse Nr. 14 verweist eine Erinnerungstafel darauf, daß Engelsberg dort gewohnt hat. Der Kulturbarbarei nach 1945 zum Opfer gefallen sind dagegen ein Gedenkstein unterhalb des Altvatergipfels und eine Gedenkstätte auf dem Burgberg bei Jägerndorf, wo Engelsberg zusammen mit den Dichtern Viktor Heeger und Bruno Hanns Wittek gewürdigt worden war.

Werke: Kompositorisch – 168 Chöre, 63 Lieder, 12 Werke der Kirchenmusik, 50 sonstige Kompositionen. Literarisch – Gedichte, Liedertexte u. a.

Lit.: Hugo Neußer und Alexander Hausleithner: E. S. Engelsberg, Leben und Werk, Troppau 1925. – Erwin Weiser: E. S. Engelsberg, in: Heimatjahrbuch Ostsudetenland, 1. Band, Inning am Ammersee 1953. – Anton Ohnheiser: Erinnerung an einen schlesischen Tondichter, in: Heimatjahrbuch Ostsudetenland, 8. Band, Inning am Ammersee 1961.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Sch%C3%B6n

Josef Walter König