Biographie

Iwan, Friedrich

Herkunft: Schlesien (Ober- u. Niederschlesien)
Beruf: Maler
* 8. August 1889 in Landeshut/Schlesien
† 8. Januar 1967 in Wangen/Allgäu

Riesengebirgslandschaft hat wie kaum ein anderes deutsches Gebirge die Dichter und Maler angeregt, deren Geheimnisse zu er künden und sie zu beherrschenden Motiven ihres künstlerischen Schaffens zu wählen. Schon das vorromantische Riesengebirgsbild eines Christoph Nathe aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, vor allem aber die romantische Sichtweise von Malern wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus, Ludwig Richter und Moritz von Schwind oder auch des Briten Eduard Th. Compton haben dem Riesengebirge in der Malerei einen bleibenden Platz gesichert. Auch der Riesengebirgsmaler Friedrich Iwan gehört bis in die Mitte unseres Jahrhunderts in die Abfolge dieser Namenskette. Friedrich Iwan wurde am 8. August 1889 in Landeshut am Fuße des Riesengebirges als Sohn des 1946 noch in der Heimat verstorbenen Direktors eines bedeutenden schlesischen Textilunternehmens geboren. Sein schon frühzeitig erkennbares malerisches und zeichnerisches Talent ließ ihn bereits mit 14 Jahren in die Breslauer Kunstschule, die spätere Kunstakademie, eintreten, wo er von 1903 bis 1908 in der Klasse für Landschaftsmalerei und Radierung Schüler des durch seine Postkartenmotive bekannt gewordenen Riesengebirgsmalers Prof. Karl Morgenstern, des Vaters des Dichters Christian Morgenstern, war. Anschließend konnte er bei Prof. Hans Mayer an der Berliner Kunstakademie seine ihm eigene Radiertechnik entwickeln, die ihm später zu Erfolg und Ruhm verhalf. Als erstem und einzigem Landschaftsmaler gelang ihm eine besondere Technik der Farbradierung, die nicht mehr der nachträglichen Kolorierung bedurfte und daher mit nur einer Platte mehrfach gedruckt werden konnte. So erhielt jedes Blatt den Charakter eines eigenen Originals. Außer den 350 Radierplatten, die Iwan noch in Schlesien geschaffen hatte und die nach widerrechtlicher Beschlagnahme in seinem Haus in Hirschberg seit 1945 verschollen sind, konnten wenigstens 35 in einer Berliner Druckerei, mit der Iwan zusammengearbeitet hatte, entdeckt und nach dem Bau der Mauer legal in die Bundesrepublik Deutschland gebracht werden. Iwans Berliner Schaffensjahre waren indes nicht von Dauer. Schon bald zog es ihn wieder in seine schlesische Riesengebirgsheimat zurück, zunächst 1921 nach Krummhübel, wo auch sein Lehrer Prof. Morgenstern sich niedergelassen hatte, dann 1924 nach seiner Eheschließung in den Hirschberger Vorort Cunnersdorf, wo seine inzwischen eingetretenen wirtschaftlichen Erfolge ihm den Erwerb eines eigenen Hauses ermöglicht hatten. Seine Berliner Jahre waren im übrigen unterbrochen durch seine Dienstzeit bei den Moltke-Füsilieren 1911/12 im heimatlichen Glatz während des Ersten Weltkrieges, den er vom ersten Mobilmachungstag an bis zu seiner Verwundung 1918 mitgemacht hatte, schuf er eine Fülle von Landschaftszeichnungen von den verschiedensten Kriegsschauplätzen in Ostpreußen, im Baltikum, in Gallizien und den Karpaten und schließlich von den Kämpfen um Verdun. So könnte er als ein erster freiwilliger Kriegsmaler, wie sie später im Zweiten Weltkrieg an allen Fronten – wenn auch nicht gerade als Landschaftsmaler — eingesetzt waren.

Beherrschend aber blieb für ihn immer das Riesengebirgsthema. Nach der Vertreibung aus seiner Heimat, in der er auch künstlerisch wurzelte, führte ihn der Weg über das hessische Schlitz mit der nahen Kulisse der Rhön, die er dort mehrfach malte, im Jahre 1954 in die schlesische Künstlerkolonie in Wangen im Allgäu, deren Umgebung jeden Riesengebirgler in so mancher Hinsicht an die Landschaft seiner Heimatberge erinnert. Hier starb Friedrich Iwan am 8. Januar 1967. Auf dem Wangener Friedhof St. Wolfgang hat erseine letzte Ruhestätte gefunden.

Friedrich Iwan ist ein stiller, aber dennoch fröhlicher Mensch, ein eigenwilliger und unbeugsamer Künstler gewesen. Bewußt verschloß er sich allen Einflüssen moderner Kunstauffassungen und Stilrichtungen. Der abstrakten Malerei setzte er seine Maxime entgegen, dem Betrachter „keine Rätsel aufzugeben". Seine farbigen Riesengebirgsradierungen, von denen es heute nur noch wenige zu erwerben gibt, sind weit über die Grenzen Schlesiens und Deutschlands bekannt, der Name Friedrich Iwan und das Bild des Riesengebirges längst zu deckungsgleichen Begriffen geworden.

Lit.: Gustav Richter, Unser Riesengebirgsmaler Friedrich Iwan, in: Schlesische Rundschau, Wangen i.A., Nr. 22 v. 5.8.1959. – Wilhelm Meridies, In memoriam Friedrich Iwan, in: Der Schlesier, Recklinghausen, Nr. 3 vom 19.1.1967. – Zum 90. Geburtstag des Riesengebirgsmalers Friedrich Iwan, in: Schlesischer Kulturspiegel, Würzburg, Nr. 2, 1979.