Biographie

Maulbertsch, Franz Anton

Herkunft: Ungarn
Beruf: Barockmaler
* 8. Juni 1724 in Langenargen am Bodensee
† 7. August 1796 in Wien

Franz Anton Maulbertsch (Maulpertsch), meistens nur mit dem Vornamen Anton zitiert, ist wohl der genialste Barockmaler im österreichisch-ungarischen Raum des 18. Jahrhunderts. Gleichwohl ist sein Name vergessen. Das trifft vor allem für Österreich und weniger für Ungarn zu. Die Angabe seines Geburts- und seines Todestages war lange Zeit nicht zweifelsfrei. Klärung brachten die Forschungen der ungarischen Kunsthistorikerin Klara Garas, der Direktorin des Museums der Schönen Künste in Budapest (Ofenpest).

Die 150jährige Türkenherrschaft hat nach der Befreiung durch die Habsburger in Ungarn eine Trümmerlandschaft hinterlassen oder hat dasselbe nach einem herkömmlichen "bonmot" in eine Pusztalandschaft verwandelt. Der Hochadel und der Klerus riefen aus dem süddeutschen und österreichischen Raum auch viele Künstler herbei, um Ungarn wiederum auf das Niveau eines westeuropäischen Landes zu heben. Vor allem die donauschwäbisch besiedelten katholischen Städte West- und Südungarns wurden zu einem Eldorado deutscher Künstler aller Sparten und Klassen. Kein Geringerer als der größteungarische Historiker, Julius Szekfü (1883-1955), hat in diesem Zusammenhang das Kunstschaffen von Maulbertsch in seiner Bedeutung hoch veranschlagt.

Von Langenargen am Bodensee bis in die Habsburger Lande an der mittleren Donau war es ein weiter Weg. Anton Maulbertsch sen. war nach der Eintragung in die Geburtsmatrikel ebenfalls ein "pictor". Als Frau hatte sich dieser Anna Maria Strodler aus Enns in Oberösterreich erwählt. Das Leben des Sohnes läßt sich auf Grund seiner Anstellungen fast von Jahr zu Jahr rekonstruieren. Seit 1739 –  also bereits mit 15 Jahren –  stand er im Dienste eines Wiener Malers. Nebenbei besuchte er die Abendkurse der Wiener Kunstakademie, um sich weiterzubilden. Sechs Jahre verbrachte er dort. 1745 machte er sich selbständig und begab sich auf die Wanderschaft. 1752 malte er die Deckenfresken der Wiener Piaristenkirche aus, die noch heute zu bewundern sind. 1779 kaufte er sich in der Neuen Schottengasse ein Haus, worin er auch sterben sollte. Seit 1770 finden wir Maulbertsch fast ständig in Ungarn. Seine Honorare, wovon er auch seine Gehilfen, in der Regel drei bis vier, bezahlen mußte, waren nicht besonders hoch. Durchschnittlich erhielt er für einen Auftrag 2000 bis 3000 Rheinische Gulden. So ist es nicht verwunderlich, daß er nur ein Vermögen von 4846 Gulden und 30 Groschen hinterließ. Seine zweite Frau, die vom Ruhme ihres Mannes nicht viel begriffen zu haben scheint, hat ein Jahr nach dessen Tode die ganze Hinterlassenschaft verschleudert. Über das Begräbnis von Maulbertsch liegen keine Berichte vor. So ist auch sein Grab unbekannt. Im 19. Jahrhundert war Maulbertsch vergessen. Vielleicht liegt das daran, daß er im Schatten der Maler Munkácsy-Lieb, Lotz und Benczur ("Benzur") stand. Erst Klara Garas hob Maulbertsch auf den hohen Sockel, auf den er gehört (Künstlerisches Lexikon. Ofenpest 1967, Band 3).

Für das künstlerische Schaffen von Maulbertsch war vor allem die Tatsache entscheidend, daß viele madjarische Magnaten auch in Wien einen Palast hatten und sie somit mit dem Stande der Barockarchitektur und der ihr dienenden Künste vertraut waren. Die Grafen Esterházy, Pálffy oder Erdödy wollten aber keinesfalls hinter der Kaiserstadt zurückstehen, ebensowenig die Bischöfe und Prälaten. Zuerst malte Maulbertsch 1766 im Auftrage des ungarischen Hofkanzlers Graf Franz Esterházy die Siebenbürgische und Ungarische Hofkanzlei in der Wiener Bankgasse aus, wo die ungarische Botschaft heute noch residiert. Seit 1770 arbeitete er ständig in Ungarn.

Im alten Ungarn lassen sich 17 Wirkungsstätten des Künstlers feststellen. Hierzu zählen Halbturn (Féltorony) im heutigen Burgenland mit einem Landschloß der Grafen Harrach, das er mit allegorischen Darstellungen schmückte; Kolotschau (Kalocsa), wo Erzbischof Graf Adam Patachich, dessen Jurisdiktion sich auf den größten Teil des Donau-Theiß-Zwischenlandes bzw. auf das ganze sogenannte Batscherland erstreckte, Maulbertsch 1783/84 den erzbischöflichen Palast mit Deckenfresken zieren ließ; Ortenbach (Orlát) bei Hermannstadt in Siebenbürgen, dessen Garnisonkirche aus dem Jahre 1762 von Maria Theresia 1776 sechs Ölbilder geschenkt bekam, von denen Maulbertsch vier gemalt hatte (heute alle im Museum von Karlsburg); Poppa (Pápa), eine kleine Landstadt der Grafen Esterházy im Komitat Weißbrunn oder im Buchenwald, auch das "kalvinistische Rom" Transdanubiens genannt, wo Graf Karl Esterházy als Bischof von Weißbrunn (ung. Veszprém) 1782/83 die Pfarrkirche samt Kapelle, Sakristei und Oratorien von Maulbertsch mit Deckenfresken schmücken ließ; Raab (Györ), wo Maulbertsch fast zehn Jahre lang im Auftrage des Bischofs Graf Zichy an der künstlerischen Ausgestaltung des Domes arbeitete und Bilder mit Motiven wie Christus am Ölberg, Mariä Himmelfahrt bzw. Mariä Aufnahme und Verklärung Christi schuf; Schümeg (Sümeg) im Weißbrunner Komitat, der Sommersitz der Weißbrunner Bischöfe, wo das größte malerische Kunstwerk Maulbertsch, nämlich die Decken- und Wandfresken der dortigen Pfarrkirche, entstand, das ihm die Aufnahme in die Wiener Akademie 1759 einbrachte, nach Klara Garas beispiellos in der Kunstgeschichte bzw. der späten Freskomalerei; Stuhlweißenburg (Székesfehérvár), wo Maulbertsch in den Jahren 1766/67 die ehemalige Karmeliterkirche und nunmehrige Seminarkirche mit den Deckenfresken Mariä Himmelfahrt und Mysterium der Erlösung ausmalte sowie Waitzen (Vác) am Donauknie, für dessen Domkirche Kardinal-Erzbischof von Wien und Bischof von Waitzen, Graf Christoph Migazzi, 1770/71 den Meister das Hauptaltarbild Mariä Heimsuchung schaffen und die Domkuppel mit Fresken ausgestalten ließ, wofür er 4000 Gulden erhielt.

Klara Garas beziffert die nachweisbaren Fresken auf 24 und die Altarbilder auf 90, eine respektable Zahl, wenn man bedenkt, mit welcher körperlicher Anstrengung und unter welchen Umständen (teilweise auf dem Rücken liegend) Maulbertsch seine Werke schuf. Aus Überzeugung schuf er nur religiöse Werke.

Lit.: Klara Garas: Franz Anton Maulbertsch (1724-1796). Vorwort von Oskar Kokoschka, Wien 1960 (in Glanzdruck, 333 Seiten in Großoktav und 315 Abbildungen).

Bild: Maulbertsch nach einem Gemälde seines Schwiegervaters Jakob Schmutzer.

 

  Anton Tafferner